Sommer, juhe

Einer der heißesten Tage im August in Berlin, und ich überlegte mir, was ich mit meinem Kind anstellen könnte. Gerne wäre ich mit ihm zu einem See, doch die Temperaturen haben mir am Tag vorher bereits gezeigt, dass ein Kind von 15 Monaten in einer S- oder U-Bahn – oder gar in einem Bus – zerschmelzen würde, wenn es das bereits einfach nur im Buggy sitzend an der frischen Luft schon tut. Auto in spee ich zwinkre dir zu.

Wasser aus der Sprühdose

Wie dem auch sei, ich führte einige Telefonate während ich mein Kind in der wunderschönen Bullenhitze die Wilmersdorferstr. entlang Spazieren schob. Hatte ich gerade beide Gespräche mit Männleins Großvätern hinter mich gebracht, so eilten wir in die nächste Apotheke, um an Thermalwasser zu gelangen. Was das ist, fragt ihr euch? Ganz besonderes Wasser aus der Sprühdose. Er liebt es, wenn ich ihn damit besprühe und ich finde es bei diesen Temperaturen als ein Muss in jedem Beutel, jeder Handtasche, Wickeltasche und so weiter… Von Avene das kann ich euch ans Herz legen, weil das gefühlt am weichsten ist. Papperlapapp, wie Karla Kolumna so schön sagen würde.

Sauna adé

Raus aus der heißen Apotheke, wo laut Türschild “Türe bitte hinter sich schließen, da die Klimaanlage in Betrieb ist”. Kein Problem, der Bitte komme ich gerne nach. Ich glaube allerdings, das war an diesem Nachmittag ein Scherz der Belegschaft, denn dort drin waren es gefühlte 100 Grad Celsius und ich musste in den nächst besten Starbucks sprinten, um mich mit einem Grande Iced Coffee Latte zu erfrischen. Wusstet ihr, dass es so etwas wie einen *Bebiecino gibt? Also, ich wusste bis heute Nachmittag nichts von dessen Existenz. Es ist Milchschaum in einem Espresso Shot Becher. Wahlweise mit Karamell, Vanille oder Schokoladensirup. Ich entschied mich für letzteres und Mucki fand es sehr, sehr “Mhhhmmmm…” Ich servierte ihm den Schoko-Bebiecino portionsweise mit einem Löffel.

Heimtückischer Babycino

Natürlich bemerkte ich nicht, dass mir von dem Schokosirup was auf meine Nasenspitze gelangt ist. Wie auch? Dieser dezente Schokospritzer auf der Nasenspitze sollte erst nach unserer dreistündigen Tour durch die Straßen, Gassen und Spielplätze Charlottenburgs entdeckt werden. An unserer Endhaltestelle, dem tollen Spielplatz bei uns um die Ecke, machten wir noch einmal halt. Es war nicht viel los, aber meint Ihr, irgendjemand hätte mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich fett Schoki an meiner Nasenspitze trage?Natürlich nicht. Und wie sollte es auch anders sein, ein gar nicht so schlecht aussehender Vater mit seinem Sohn waren vor Ort und er war außer mit Sneakers und Short weiter nicht bekleidet. Nett anzuschauen. Und ich so? Schoki an der Nase. Kann man machen, muss man aber nicht.

Gut, dass ich ihn nicht angeschaut habe oder gar mit ihm das Gespräch suchte. Mon dieu, nicht auszudenken, was er wohl gedacht hätte. Wisst ihr, wann es mir aufgefallen ist? Oh mein Gott, ich war ja mit der Schokolade auch noch im Alnatura… Oh mein Gott… Egal Karl, passé… Mir ist es aufgefallen, als ich den Kurzen, kurz nach dem wir die Wohnung betraten, in die Wanne steckte, um ihn abzuduschen. Ein kurzer Blick in den Spiegel, als ich an diesem vorbei sprintete, um mir das weglaufende Kind zu schnappen. Ein “Oh no” Ausruf! Kind in der Wanne, Mutti vorm Spiegel. S-h-i-t (ich buchstabiere mittlerweile im Schlaf, Schimpfwörter vor meinem Kind, macht irgendwie Spaß), was um alles in der Welt… SCHOKOLADENSIRUP natürlich und oh no, den habe ich seit Anfang unseres Mega Spaziergangs auf der Nase getragen.

Hexe, lass das…

Nur damit Ihr eine kleine Vorstellung von dieser Schokoladen-Nasenspitze habt. Kennt Ihr Hexen? Okay, gut. Und dann wisst Ihr sicherlich, wie bei denen die Warzen auf den Nasen so aussehen, gell? Ja genau, und so sah meine Schokoladensirup-Nasenspitze auch aus. Zum Anbeißen, not. Man hätte es auch als Dreck oder Blut deklarieren können. Warum hat denn niemand etwas gesagt? Walnussgroßer Klecks auf der Nase und keiner… Hmpf.

Mohn

Wenn ich so was bei anderen sehe, mache ich sie immer drauf aufmerksam, denn dann ist es vielleicht nur einmal kurz für denjenigen peinlich, aber auch direkt eine Erleichterung. Stell dir mal vor, du läufst den ganzen Abend bei einer Veranstaltung mit ‘nem Salatblatt zwischen den Zähnen rum und keiner, wirklich keiner, sagt etwas? Peinlich. So etwas ist mir auch schon mal passiert. Ich hatte von der Hochzeitstorte meiner Cousine probiert und ein wenig Mohn hier und da zwischen den Zähnen. Ja, meint Ihr denn, irgendwer von der Mischpoke hat auch nur im Entferntesten etwas zu mir gesagt?

Natürlich nicht. Ich habe es schlussendlich auch erst auf ein paar Fotos der Hochzeit entdeckt.  Vier Wochen später. Meine Güte, war mir das im Nachhinein unangenehm.

Am Ende des Tages…

…finde ich es mega gut, wenn einem solche Dinge hin und wieder mal passieren. Dann hat man auch wieder eine lustige Geschichte zu erzählen, wenn man dazu aufgefordert wird. In meinem Fall vergesse ich solche Erlebnisse leider immer zu schnell wieder und ärgere mich dann ein wenig, wenn mir so spontan nichts einfällt. Gut, dass ich mittlerweile schreibe und es dann nur noch im Archiv meiner Texte finden muss.

…habe ich seither immer einen kleinen Spiegel bei mir, wo ich kurz mein Gesicht checke, bevor ich es der breiten Masse präsentiere. Sehr untypisch für ein Mädchen meines Kalibers, denn ich habe nicht einmal so was wie ein Schminktäschchen to go, ist es wohl  an der Zeit ein Mädchen-Mädchen zu werden?

…ist mir seitdem ich Mutter bin wirklich sehr vieles nicht egal, aber getreu nach dem Motto: “So what. I don’t give a damn f*** what others think about me even if my hair is messy, my shirt full of mush or my nose decorated with yummy chocolate syrup.”

Literally cheers

*Bebie = Ich liebe diese Schreibweise für Baby

 


Littlemisstwinkleshine
Author: Alexia von Wismar
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